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Mieterkeller

Ronny Roger • Donnerstag, 22. Juli 2010 119 Uhr • Category: Home Sweet Home

Woahr, die Hausverwaltung dreht voll am Rad. Nein, nicht die Hausverwaltung, sondern die [...] Immobilien-Verwaltungs-Gesellschaft GmbH bzw. der italienische Geschäftsführer und die Alte, welche ihn ständig begleitet. Heute Früh fand sich vorne im Kasten ein Aushang. Obendrüber steht in riesigen fetten Lettern: “Dringend!”

Da die Hausverwaltung den Keller Nummer 9 niemandem zuordnen kann, soll dieser in den nächsten Tagen geräumt werden. sollten Sie der Besitzer des Kellers Nummer 9 sein, melden Sie sich bitte umgehend bei der Hausverwaltung [...] oder beim derzeitigen Ersatzhauswart [...].

Yut, dachte ich, wer hat denen denn ins Frühstück gespuckt? Was ein verdammter Aufriss wegen einem miffigem modrig-nassen Mini-Kellerabteil. Yut, locker bleiben.

Nachmittags dachte ich mir dann, tja, da muss’de wohl was tun. Simma ‘mal ehrlich. Der neue Hausmeister, welcher 200,- Euro/Monat im Monat erhält, fragte zweimalig, welchen Keller ich hätte, weil bislang keine Liste vorhanden wäre – sachte ich ihm. Die “8″ dürfte ich ihm genannt haben. In der 8 war bis heute vor allem mein gesamter Set-Kram untergebracht, Scheinwerfer, Mini-Kippeneimer, Molton, Gartenschlauch, Kabeltrommeln, Strom- und Schlauchadapter, Sicherungen, Tape, Warnwesten, Regenplane, Seife, um die fünfzig Hüttchen und und und. Den Keller rührte ich die vergangenen Jahre kaum an, was auch daran lag, dass ich zwischenzeitlich nicht mehr am Set von ‘ner Filmproduktion arbeitete.
Nun trug es sich zu, dass die andere Partei vor Längerem mit einzog und weil das Kellerabteil daneben frei war, nahmen wir’s gleich ‘mal mit in Beschlag, stellten Regale rein und machten uns dort heimisch. Im Klartext, wir besetzten damit zwei Kellerabteils, jedes für sich ist etwa anderhalb Quadratmeter groß, sowohl vertikal als auch horizental.

Schon lange nehme ich mir vor, den Klumpatsch zu sortieren und rauszuwerfen, was nicht mehr benötigt wird. Tatsächlich ist das Zeugs alles zu schade, um’s auf die Müllhalde zu werfen und vielleicht bin ich doch nochmal am Set unterwegs. Also schob ich’s vor mir her, bis heute. Heute handelte ich.
Ich begab mich runter in den Keller und musste mit Erschrecken feststellen, dass an der “9″ mein Vorhängeschloß durch ein Anderes ersetzt worden war. WTF?! Sei’s drum, darum kümmere ich mich später und los ging’s. Ich rödelte alles raus, aus der “8″, sortierte ein wenig und während ich so die ersten Bauhaus-Kisten zum Auto schleppe, taucht der Anhang von dem Hausbesitzer mit demselbigen auf. Was ich denn dort machen würde, fragte sie und ich entgegnete, dass ich ausräume. Die “9″, mit der es Ärger gäbe, nein, die “8″. Überhaupt, Ärger, welcher Ärger? Ärger machen nur die.

Seit ich vor etwa fünf Jahren hier eingezogen bin, hat sich nichts getan, das Haus verloddert zunehmend. Anfangs dachte ich, huih, toll, schicke Malerei an der Außenfassade, ordentlich hier. Es dauerte Wochen bis das zerstörte Eingangsschild der Damen Rechtsanwälte und der Immobilienfirma ersetzt worden war, das Graffiti scheint’se ebensowenig zu stören. Die Fahrradständer sind kein Zustand, verschwundene Trittleisten an der Treppe, kaputte Schlösser an der Eingangstor, das ist wichtig und Dinge, welche zeigen, hier wird sich nicht (mehr) gekümmert.

Die folgende Diskussion betreffend der Tafel mit Angabe der Namen aller Mieter und der entsprechenden Örtlichkeit, also beispielsweise “Seitenflügel 1. OG rechts” gegenüber den Briefkästen im Hausflur führte nirgendswohin. Ich finde das doof, dass jeder windige Vertreter sofort Bescheid weiß, wo’er mich findet. Der Italiener machte sich darüber lustig, die Olle übersetzte. Boahr sind die ätzend, soll’n'se sich ‘mal lieber um den wichtigen Sch#iß bemühen.

Irgendwann, logisch musste die Alte vorher im Keller herumstieren, zogen sie von dannen. Ich schwitzte ganz schön. Leider wechselte ich vorher weder Hose noch T-Shirt, solche schönen Klamotten hatte ich angehabt. Es wurde alles dreckig. Klar, der Keller war och ‘n dr#cks Keller. Die DigiBetas und VHSen brachte ich hoch, die große Leiter zwischendurch ebenfalls, gegen halb sieben stand ich bei A. vor der Haustür. Wir sortierten, entmüllten, drei Kisten nahm ich wieder mit. Was ich mit dem Feuerlöscher machen soll, kein Plan. Flohmarkt steht an, irgendwann die nächsten Wochen. Das Zeugs ließ ich schon einmal bei ihr in ihrem ordentlichen Gewobag-Keller, breit, geräumig, trocken.
Was ich mit all den Hüttchen anstellen sollte, wusste ich nicht. Ich lud sie vorhin im Viktoriapark ab. Vielleicht latsche ich nachher nochmal los und stell’se auf, aus reiner Gaudi.

Status Quo ist, dass ich mit ‘nem Schraubenzieher das Scharnier vom Keller “9″ rausschraubte, die “8″ ist geräumt, den Großteil der Kartons, auf den meisten stand übrigens mein Namen, sprich der Keller war sehr wohl mir zuzuordnen, flogen in die blaue Tonne. Die Leiter holte ich wieder von oben, räumte etwas umher, erledigt. Eine massive Kette hing ich drumherum, welche mit dem Vorhängeschloss von der “8″ gesichert wurde.

Die ehemalige Hauswartin klärte mich später darüber auf, dass sie keineswegs 400,- verdient habe, sondern nur 250,- Euro. Der Rest landete bei dem Hausbesitzer. Geht’s noch?! So langsam werden die mir mehr und mehr unsympathisch. Außerdem ließ sie sich über die Besitzer aus, was da alles geschoben wird, meine Fr#sse, echt.

Heute Abend fand ich einen Zettel im Briefkasten, von dieser ominösen Immobilien-Verwaltungs-Gesellschaft. Auf diesem Zettel waren alle Mietparteien aufgelistet, mit Angabe des Objektes, Stockwerks, Wohnungs- und Kellernummer. Die ham doch echt ‘ne Vollmeise.

 

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