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Diese Welt macht mich fertig

Ronny Roger • Donnerstag, 29. April 2010 2022 Uhr • Category: Supermarkt

Jetzt war ich gerade ‘mal ‘ne knappe Stunde draußen, draußen im Kiez, zwischen Menschen, ich bin durch.

Ich schnappte mir den leeren Kasten now-Limonade, warf ein Jäckchen über und marschierte los Richtung Bergmannstraße. Dass das Jackerl viel zu viel war, merkte ich schnell. Mir war warm, unangenehm warm, das Wetter drückte.
Ich schlängelte mich durch die Yuppie-Mütter, deren Gören auf der gesamten Breite des Gehweges der Hagelberger Straße herumeierten. Bei vanille & marille war ‘ne lange Schlange zu sehen, alles wie immer. Die Bergmannstraße war ebenfalls sehr belebt, ‘ne ganze Menge Weiber schoben ihre Einkäufe auf ihren Fahrrädern spazieren und kamen irgendwie nicht aus dem Tee. Die Straßencafés waren dicht bevölkert, sehen und gesehen werden, hip und trendy Latte macchiato schlürfen und dabei auf das iPhone oder Netbook einhacken, das ist der Zeitgeist.

Ich bog in die Bio Company ab, lief hinter zum Leergutautomaten, wo jedoch der Kasten nicht reinpasste und fragte im Lager, was ich damit machen solle. Der Bio-Nerd verwies mich an die Kasse. An der einzigen offenen Kasse war ‘n langer Stau, was die Alte hinter’m Scanner nicht zu interessieren schien. Also versuchte ich den Pfandbon von den beiden leeren Buttermilch-Flaschen sowie mein Leergut bei der Backshop-Theke loszuwerden. Neh, damit solle ich bitte an die Kasse. Gut, dachte ich mir, dann kann ich zumindest schonmal zwei Schweizer und ‘nen Naturbagel mitnehmen, aber nein, er trödelte mit der Kundin vor mir herum.
Ich äußerte via Mimik meinen Unmut und stellte mich ans Ende der Warteschlange. Als ich endlich dran war, klingelte die Alte plötzlich und aus irgendeinem Loch kam ein Jungspund angewatschelt, welcher sie erst fragte, ob sie geklingelt habe und danach an der anderen Kasse Platz nahm, prima. Ich händigte ihr den Pfandbon aus, ja, der Kasten ist ebenfalls mir. Offensichtlich war das das erste Mal, dass ein Kunde Leergut bei ihr zurückgab. Sie erkundigte sich bei dem Kollegen, was sie damit machen muss, blätterte ein paar Minuten in ihrem Spickzettel-Register, tippte und tatah, die Kasse ging auf und ich bekam mein Pfandgeld zurück.
Um zwei Euro und siebzig Cent reicher, bzw. nach Umtausch von Plastik und Glas in europäisches Zahlungsmittel, machte ich ein paar Schritte zum Backshop, zeigte ihm, was ich wollte, weil sich der Bio-Nerd in seiner eigenen Auslage nicht zurecht fand, reichte ihm zwei Euro fünfzig rüber, jedoch wollte er mehr. Erneut nuschelte er irgendwas, ich gab ein paar Cent drauf. Das Restgeld drückte ich dem Verkäufer der Obdachlosenzeitung am Eingang in die Hand.

Next Stop: Kaiser’s. War ja klar, so ist das eben, vor mir blockierte ‘ne Dame den einzigen Pfandautomaten dieser Filiale. Körbe- und tütenweise schob sie rein, bis es piepte und der überfütterte Automat nix mehr annehmen wollte. Dankeschön. Weitere fünf Minuten vergingen, bis sich nach mehrmaligem Klingeln ‘ne Kaiser’s-Mitarbeiterin des Automaten erbarmte und das Weib vor mir fertisch war.
Den Pfandbon ließ ich mir direkt an ‘ner freien Kasse auszahlen, ein Euro kam dabei herum, und ich orderte beim Backshop ‘nen Sesambrot, geschnitten.

Heiß und drückend war’s, da könnte ich doch, na wie wär’s, ‘ne Kugel Eis wäre cool. Il Maestro Gelatiere, perfektes Timing, vorfreute ich mich, es war nur eine Frau vor mir, sonst niemand. Das wird ‘ne schnelle Nummer, fein. Tja, doof nur, bei dieser Frau handelte es sich um eine sch#iß Mami, welche mit ihrem sch#iß Baby auf ihrem sch#iß Bauch sch#iße unschlüssig herumwippte. Dieses Szenario schaute ich mir eine Minute lang an, artikuliere gerade die ersten Worte eines Satzes – weil bis die weiß, was’e will, habe ich mein Eis bestellt, aufgegessen und längst in Teddyohren angelegt – als mir die sch#iß Mami mit ihrem sch#iß Baby auf ihrem sch#iß Bauch sch#iße ins Wort fällt und eine Eissorte nennt. Das war’s aber och schon gewesen, denn nun wippte die sch#iß Mami mit ihrem sch#iß Baby auf ihrem sch#iß Bauch wieder sch#iße unschlüssig herum. Boahr, solche sch#iß Mamis mit ihren sch#iß Babies und/oder sch#iß Gören auf ihrem sch#iß Bauch und/oder in ihrem sch#iß Kinderwagen und/oder an ihrem sch#iß Rockzipfel machen mich einfach nur sch#iße aggressiv. Bevor ich explodierte, machte ich eine Kehrtwendung und dackelte die Kreuzbergstraße weiter. Statt dass ich die gewünschte Abkühlung erhalten hatte, war ich nun auf dreihundertsechzig.

Lidl, Pink Lady Äpfel, a bisserl Gemüse, Moskovskaya, Coke zero und so fort, das läppert sich und ich zahlte mit ‘nem Fuffi. An der Kasse, meine Güte, die beiden dämlichsten Kassiererin dieses Ladens. Statt dass’es ‘mal noch nach ‘ner dritten Kasse klingelten, tratschten sie lauthals über weiß der Kuckuck für banale Dinge und passten ihre Geschwindigkeit dem der lahma#schigen Penny-Kassierer an, nichts ging voran. Doch auch das habe ich geschafft, hinter mich gebracht und jetzt sitze ich hier, in meinen vier Wänden, danke.

Freitag steht AiB auf dem Programm, am Samstag entfliehen wir der radikal-linken 1.-Mai-Randale unter dem aussagekräftigen Motto “Berlin soll brennen”. Ziel ist eine “Ferienwohnung in sanierter alter Scheune” in Meiersberg, Nähe Usedom an der Ostsee, wo wir uns bis zum 5. Mai aufhalten werden.

Ah, noch was. Was zum Henker hat sich Franz Schulz, das ist der örtliche Dorfd#pp, nur dabei gedacht? – Er ließ in der Katzbachstraße eine “30″ auf die Fahrbahn schmieren und hinter einem Baum ein “30″-Schild aufstellen. “Lärmschutz”, was’n Aberwitz.

Guten Abend.

Update 01.05.2010 04:54 Uhr

Die Hoffnung stirbt zuletzt, Viertel nach vier war’se verwest. Trotzdem DJ Agonoize nicht hinter’s Lappy gelassen wurde, war die Musik nicht nur grauslig wie immer, sondern wahrlich grausam. – Abgesehen davon war’s so lala.

Have a Nice Day.

 

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