11:22 Uhr klingelte das Handy. Es war R., welcher mitteilte, dass sie sich soeben auf den Weg in die Bergmannstraße machen. Zum Brunch, ins Bergmann 103.
Ich mag die Bergmannstraße nicht. Die Bergmannstraße, wo sich ein 0815-Café an das andere reiht, Restaurants wie etwa das Josephine ausgenommen, ist so garnicht mein Fall, obwohl’s sozusagen mein Kiez ist. Es ist eben dieses abscheuliche sehen und gesehen werden. Am nötigsten haben das solche hippen und jungen Styler, profilierungssüchtige Selbstdarsteller, die wahrscheinlich alle irgendwo in den Medien arbeiten (möchten), wenn sie denn überhaupt schon aus der Schule oder der Uni raus sind, sich ggf. auch als Künstler ausgeben oder halt sonstwie total krass cool drauf sind. Yep, sie sind mir zuwider, diese Frodos mit ihrem Berlinale-Täschchen, welche gerne stundenlang mit ihrem Netbook im Schaufenster herumgammeln, alternativ im Stühlchen an Stühlchen auf dem Trottoir Smalltalk schwaffeln. Hallo hier, ‘n Küsschen da, schönes Wetter heute, wie war’s im Weekend-Club, Blablabla.
Im Gründe würden die eh alle viel besser nach Prenzlberg passen, aber egal. Direkt neben den ärmlichen und trendigen Philosophen und Tussis sitzt der gemeine Berlin-Touri, welcher extremst happy darüber ist, das herrliche Flair der Großstadt, einer vermeintlichen Weltmetropole, zu geniesen – auf Auspuffhöhe.
Weil’s R. und M. waren, auf einen Latte Macchiato, das geht schon. Das Wetter ist heute wahrlich grandios, kein Scherz. Sonnenschein, aber nicht heiß, angenehm warm, frisch, toll! So hätte ich mir den Sommer gewünscht.
Ob’s nun an der Sonne und dem blauen Himmel oder an der Bundestagswahl 2009 liegt, dass die ganze Stadt auf den Beinen ist, tja – ich vermute es ist die Kombination aus beidem. Die drei Jungs standen gerade vor dem Lokal an der Litfaßsäule, eine rauchen. Buffet, schick, Brunch gäbe es dort wohl bis 16 Uhr, für happige 12,50 Euro. Ich schaute mir das Angebot an und war schlicht enttäuscht. Die Platten waren (gegen 12 Uhr) angefressen, als wären sie gerade von dem soeben beendeten Frühstückstisch einer Jugendherberge geliefert worden. In den Schüsseln gab’s nur Reste, lieblos hergerichtet, bis auf das kurz vorher frisch servierte Obst. Nein, das ist es mir nicht wert.
Bis ich zu meinem Latte Macchiatto kam bzw. zuerst ‘mal zu der Bestellung, das dauerte und dauerte. Dafür kam der recht schnell. Einen Großen hatte ich bestellt, zum Preis eines Großen kam ein Kleiner, Standard. Das Personal, die Bedienung, ach, sie sind mir gegenüber zwar nicht unangenehm in Erscheinung getreten, trotzdem waren sie mir allesamt durchweg unsympathisch. Ich vermisste ein Lächeln, einen Funken gute Laune, nüschts. Kein Vergleich beispielsweise zu der aufmerksamen und super freundlichen Truppe vom Korns. Zusammenfassend: Bergmann 103, einmal und nie wieder.
Nachdem R. gezahlt hatte, holten sie Nelson aus’m Kofferraum und wir schlenderten die Bergmannstraße lang, die Methfessel hoch, in den Viktoriapark auf den Kreuzberg. Mit M. nahm ich die paar Stufen zum Denkmal, wo alles rundherum voller überwiegend brauner Scherben lag. Bravo. So etwas liebe ich ganz besonders, Glück wohin man guckt. Ist och total lustig, Bierflaschen zertrümmern, voll fun. Ja, Zertrümmern ist großartig: Wir beginnen mit den Beinen, schwingen den Baseballschläger, holen Anlauf, Treffer! Der letzte Schlag geht in die Fr#sse, verrecken soll’n'se, das elendige, minderwertige, des Lebens unwürdige asoziale Vandalen-Pack.
Nelson durfte noch etwas im Wasser planschen, Stöckchen durch die Weltgeschichte tragen. Sonnenanbeter bevölkerten die Wiese. Spazierengehen, wie schön, entspannend. In der Kreuzbergstraße trennten sich unsere Wege.
Von den Spanien-Urlauberinnen hörte ich seit ‘ner Woche, bis auf den Anruf in Abwesenheit (23-09-2009 09:36), nichts mehr. Sonntag, 20.09., sind’se gestartet, mit dem Auto durch Belgien, Frankreich, nach Oviédo. Eigentlich wollten’se die Tage zurück sein. Ob ich mir Sorgen mache, nayo, so’n bisschen.
Nachher werde ich den Fernseher einschalten, denn gespannt bin ich schon, wie Deutschland wählte. Sicher, es macht keinen Unterschied. So lange wir von Demokratie reden und das deutsche Volk wählen darf, wird sich in diesem Land nichts ändern. Also niemals.


Willste mit mir tauschen? Bei mir gibts abends in der Innenstadt Besäufnis, der Park gehört nachts denen, die ihn auch mit ihren Wodkaflaschen verschmutzen, am Bahnhof wird noch stilecht vom Yugo gedealt und nicht von einem Vietnamesen und ne Nazihochburg sind wir auch noch. Na, das ist doch die No-Go-Area Nummer eins.
Und wies mit der Demokratie steht? Naja, wenn sogar die Wahlhelfer über meine demokratiefeindlichen Witze lacht. Ach, ich weiß auch nicht. :P
2009-09-27 15:50 · Kommentar by Kiri