Wir waren da. Das ist nun schon wieder ein kleines Weilchen her, aber ich habe hier noch kaum ein Wort darüber verloren. Los ging’s am Freitag, den 28. August. Es war ‘ne recht spontane Geschichte, wir buchten erst ‘ne Woche zuvor.
Als wir gerade am Jakob-Kaiser-Platz in den Bus gestiegen waren, kam es mir in den Sinn. Verdammt, verdammt, verdammt, meine Kamera liegt noch auf dem Küchentisch. Die übersah ich wohl, nachdem ich sie in eine Socke gestopft hatte. Ganz prima. Fünf Tage, fünf Tage ohne, grutzifix.
Wir waren überaus pünktlich am Flughafen, checkten das Gepäck ein, drehten noch ‘ne Runde und begaben uns dann zum Sicherheitscheck. Kaum stehe ich da, meint dieses hässliche Securitas-Weib, ohne dass ich sie zum Sprechen aufgefordert hätte, ich solle alles aus meinen Taschen nehmen und in die vor mir liegende Wanne legen. Und das obwohl ich schon dabei war. Ich flieg’ ja och zum ersten Mal, gell. Das ist wie, wenn ich Dir ‘n Guten Appetit wünsche, Du aber längst mit der Vorspeise fertig bist. Ich raunzte ihr ein unfreundliches “Weiß ich!” über’s Band. Naja, die sind halt nicht so helle, das haben billige Sicherheitsdienstler so ansich.
Meine Stiefel zog ich auch gleich mit aus, hilft ja nix, Stahlkappen. Weil ich nicht schnell genug durch den Metalldetektor lief, piepte der und ich musste mich von dem Heinz befummeln lassen. Die sind ja alle so wichtig.
Boarding begann pünktlich, 20:40 Uhr sollte die KL 1834 abheben. 364,24 Euro wurden meiner Kreditkarte belastet. Die warme Mahlzeit waren ein paar kalte Sandwiches in Plastik und was Süßes. Kaum waren wir in der Luft, waren wir bereits angekommen.
Es wütete ein ordentliches Unwetter, zappenduster war’s. Weil lediglich eine Start- und Landebahn frei war, verzögerte sich das Andocken. Als wird dann auch noch warten mussten, weil momentan kein Flughafenpersonal raus durfte, war die gute Zeit zunichte. Hässliches Wetter, willkommen in Amsterdam.
Ich beharrte trotzdem darauf die Öffentlichen zu nehmen, weil weshalb habe ich denn sonst die Verbindung rausgesucht und ausgedruckt? Genau. Im Gegensatz zu mir hatte sie ‘ne anstrengende Woche hinter sich und wollte ‘n Taxi nehmen. Nach einer planlosen Runde über den Busbahnhof fand ich genau den Bus, den ich auf’m Zettel hatte. Fünf Streifen später, Museumsplein stiegen wir in die Tram um.
Hotel Aalborg. 264,- Euro zahlten wir für vier Nächte. Weil die bei Zahlung mittels Kreditkarte einen wahrlich unverschämten Aufschlag von 4% verlangen, kramte ich die Scheinchen aus meinem Geldbeutel. Hotelzimmer gegen Vorauskasse, also das sind hier Sitten, die ich nicht gut heiße. Unsympathisch sowas.
Unser Zimmer war ganz oben im Vierten. Der Aufzug war klein, das Treppenhaus mehr als schmal, genauso wie Flur und Gänge. Unser Zimmer, ein Doppelzimmer – wie da wohl ein Einzelzimmer aussieht? Aber gut, das wussten wir vorher, auch, dass es keinen Kühlschrank gab. Eine Garderobe im Eingangsbereich fehlte ebenfalls. Aus Platzgründen, weil eine normale Tür garnicht aufgehen würde, wurde das zum Bad hin chinesisch gelöst, nämlich durch eine schäbige Sperrholz-Schiebetür. Obendrein klemmte die andauernd. Ein Vorhang hätte garantiert bessere Dienste geleistet.
Die Wände waren dünn. Obwohl wir glücklicherweise nicht neben dem Aufzug residierten, war das Auf und Ab desselbigen unüberhörbar. Neben uns zogen die Engländer ein.
Das Aalborg mag im Vergleich zu anderen Hotels, die ich nicht kenne, o.k. sein. Die Internetz-Bewertungen schienen in Ordnung und der Preis spielte in der Entscheidung für dieses Hotel natürlich auch eine nicht unerhebliche Rolle. Ich fand’s einfach nur schrecklich! Ob ich verwöhnt bin, wer weiß. Es war zum Davonlaufen, ungemütlich und kalt. Ich fühlte mich schlicht unwohl. Schlafen vermochte ich nicht wirklich. Nacht um Nacht windete ich mich hin und her, hin und her. Die Matratze war hart, aber durchgelegen, schrecklich. Das Raumklima tat sein übriges.
Das wird sicherlich eine Riesenkastanie, dieses Ding. Wir hatten ‘n Zimmer nach hinten raus. Jede Nacht ging ich auf Mückenjagd. Wenigstens das war einfach, weil die Wände einigermaßen weiß waren. Neh, also da bin ich total empfindlich. Wenn ich weiß, dass da irgend’n Viech unterwegs ist, dann finde ich keinen Schlaf, unmöglich.
Der Schlüssel zum Hotelzimmer passt nur an dem Zimmer. Unten zum Haus muss man immer klingeln. Einer der wechselnden Rezeptionisten hyperventilierte, war gänzlich außer sich, als er mitbekam, dass ich den Zimmerschlüssel immer mitnahm und nicht vor jedem Verlassen des Hauses abgab. Wenn wir den verlieren, dann müssten wir dafür zahlen und so. Ja ach was. Ich gab ihn erst ab, als wir auscheckten.
Die Putzen, also ich weiß nicht was die sich dabei denken. Die lassen einfach das Zimmer offen und wurschteln sonstwo herum. Wenn da jemand vorbeikommt und mit dem Notebook hinausspaziert, niemand würd’s verhindert. Neh, escht, geht garnicht.
Frühstück zum Preis von 9,- Euro, das ersparten wir uns. Samstag Früh nahmen wir die Tram zum Hauptbahnhof, von wo wir kreuz und quer liefen, bis wir auf ‘nem Markt angelangten. Toll! An Auswahl sowie Qualität einfach große Klasse! Von solch einem Markt können wir daheim nur träumen. Gemüse, Obst, Backwaren und natürlich Käse. Und, und, und. Was mich besonders beeindruckte, es war so ordentlich und vor allem, die Leute hinter den Ständen waren nett, freundlich und Holländer.
Das war sozusagen das Kontrastprogramm zum assligen Berliner Türkenmarkt am Maybachufer, dem ollen “Bidde?!”-Rumgeprolle und gammligen Sch#iß, den’se einem dort andrehen. Ja, das fällt einem sofort positiv auf, (fast) keine Türken in Amsterdam. Herrlich, wie Urlaub. Ob ich was gegen Türken habe? – Öhhh, ist das nicht offensichtlich? Ich bin generell nicht gerade ein Menschenfreund.
Delikat, da hält auch kein Ökomarkt mit, absolut dufte. Wir frühstückten am Wasser, wonach wir die Grachten entlang schlenderten, auf und ab. Und im Grunde taten wir dies auch die nächsten Tage. Wir beschritten jeden Meter der Stadt.
Eine Grachtenrundfahrt stand im Reiseführer, die mussten wir also mitnehmen. Um den Menschenmassen zu entgehen, fanden wir uns sonntags gegen Halb 9 gegenüber Heineken ein. Viel zu früh, die erste Fahrt war erst für 20 nach oder so angesetzt. Kurz nach 9 dachten wir noch, wir wären alleine, die einzigen, yeahhh. Tja, daraus wurde nichts.
Nein, bitte nicht! Auf der anderen Straßenseite hielt ein deutscher Reisebus und spuckte um die zwei Dutzend Rentner aus und die marschierten in unsere Richtung, zur Anlegestelle, na prima. Dem nicht genug, eine Horde Chinesen wollte ebenfalls mit. Wir überlegten, ob wir doch lieber ein anderes Boot nehmen, aber es blieb bei der Überlegung. Ich wollte nicht eine knappe Stunde umsonst gewartet haben. Zumindest waren wir die ersten und belegten die vorderen Plätze.
Kamerageile Chinesen und deutschdeutsche Rentner, eine Truppe lauter als die andere und sie konnten sich gegenseitig nicht ab. Was ‘ne dufte Mischung. Den eifrigen Chinesen mit seiner kleinen Knipse, wo der Kapitän stets sorgenvoll guckte und nicht wirklich wusste, ob er lieber was sagen sollte, bevor der aus dem Boot fällt, drängten wir zurück. Wir übernahmen damit die Pole-Position und gaben sie nicht mehr auf.
Das Wetter war die Tage leider echt mies gewesen. Das hob also die Stimmung nicht wirklich. Schick war, dass alles fußläufig zu erreichen war. Sehr praktisch fand ich auch, dass die Supermärkte bis spät und selbst sonntags offen haben. Nicht alle, aber man fand immer einen. Vom Preisgefüge vermochte ich keine besonderen Unterschiede festzustellen. Total in Ordnung. Inklusive super Auswahl.
Wir latschten uns einen Wolf. Einen Abend dinierten wir in ‘nem durch den Reiseführer empfohlenen Restaurant bei uns um die Ecke.
Den Montag verbrachten wir im Zoo. 18,50 Euro, pro Person, das ist ein stolzer Eintrittspreis. Ich bin da eh immer so’n bisschen hin- und hergerissen. Ansich finde ich’s nämlich echt schrecklich Wildtiere auf so erheblich begrenztem Raum einzusperren. Nun gut, klar, oftmals kennen sie’s nicht anders. Wie dem auch sei, ich find’s traurig. Vögel, welche dem Himmel nie nah waren, Giraffen, die noch keine 100 Meter geradeaus liefen, Biber, die noch nie einen Fluß stauten, grausam. Die vegetieren allesamt vor sich hin. – Ob ich sonst je einem Wolf, einem Löwen, Pinguin oder ‘nem Seepferdchen begegnet wäre, wohl kaum. Dennoch, eigentlich find ich’s garnicht gut.
Die Heringbude Frens Haringhandel war bereits verschlossen, als wir nach dem Zoobesuch vorbeischauten. Wir machten noch einen kurzen Abstecher ins Rotlichtviertel. Die angeblich beste Pommes der Stadt fand ich mit der Erdnußsoße nicht besonders lecker und wahrscheinlich hätt’se mich selbst mit Ketchup und Mayo nicht aus den Socken gerissen. Und das war’s bereits mit dem Kurztrip nach Amsterdam gewesen.
Zum Rückflug mit ‘nem Cityhopper, der KL 1825 um 12:45 Uhr, fanden wir uns Dienstag am Gate B20 ein. Es gab wieder Sandwiches im Flieger, aber nix Süßes. In Null Komma nix befanden wir uns im Anflug auf Tegel, das verlängerte Wochenende hinter uns.

