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Ronny Roger • Sonntag, 12. Juli 2009 1931 Uhr • Category: Berlin

Vorhin warf ich den Kostenfestsetzungsantrag beim Amtsgericht ein. Wieder ‘ne Sache erledigt, so gut wie. Schönes Wetter, angenehm.

Pyromusikale, ich war nochmals Zaungast. Vorher schaute ich mit A. in der neuen Kolibri Genussbar am Chamissoplatz vorbei. Vergangene Woche war offiziell Eröffnung, obwohl es, wenn ich mich recht erinnere, schon ‘mal ‘ne Eröffnung zum Bergmannstraßenfest oder so gab. Egal. Auf jeden Fall sind die Umbauarbeiten inzwischen abgeschlossen und es schaut echt nett aus, hell, offen und freundlich.
Ist ‘ne Tapas-Bar, eine Art kleines gemütliches Restaurant, wo man total leckere Sachen essen kann. Ich nahm, das hat nix mit Tapas zu tun, ein Stückchen Kuchen von A., das war’s. Weil, naja, ich könnte mich natürlich problemlos einmal die Karte hoch- und wieder runterkämpfen, jedoch bin ich dazu einfach viel zu sparsam. So blieb ich also bei meiner Cola light – die’s übrigens vorher beim Zaher’s nicht gab – und schaute zu, wie sich Andere die exklusiven Häppchen einverleibten.
Wenn man ‘mal Gäste da hat, ist das Kolibri sicherlich ebenfalls ‘ne gute Adresse. Nebenbei fand ich das Mädel total klasse, ist, glaube ich, die Freundin vom Chef. Ach ja, die muss sich beim Chili schneiden kürzlich fett die Hände verbrannt haben, weil’se keine Schutzhandschuhe trug. Tja, ich hätt’s och nicht gewusst. Genug, wieder ‘nen Besuch wert, auf’n Latte Macciatto oder ‘ne Cola light, bis dahin.

Wenig später, nachdem sich M. meldete, dass’e losmachen und in 20 Minuten dasein wollten, lief ich die Friesen hoch und bog links in den Columbiadamm ab. Die beiden tauchten dann auf, als es schon angefangen hatte. Ich wechselte von gegenüber zur anderen Seite vor den Zaun, J. packte es direkt wieder. Sie fühlte sich nicht so gut.
M. drückte mir ein Budweiser in die Hand. Als momentaner Ex-Raucher hatte ich natürlich kein Feuerzeug am Mann. Meine Flasche bekam er mit seiner geöffnet. Ein Streifenhörnchen, Dein Freund und Helfer, von dem Polizei-Sprinter hinter uns war so freundlich und entkrönte ihm sein Fläschlein.

Ich war Freitag Abend schon einmal dagewesen. – Es soll ja Leute gegeben haben, welche sich darüber echauffierten, dass während den Feuerwerken die Stadtautobahn am Flughafengelände gesperrt wurde. Ich kann nur sagen, völlig zu unrecht. Denn was man am Columbiadamm, welcher anfangs nicht gesperrt war, erlebte, war nicht mehr feierlich.
Innerhalb kürzester Zeit nach Beginn des Feuerwerks war die zweite Reihe, also eine Spur in beide Fahrtrichtungen, komplett dicht. Zur Erinnerung, es handelt sich um eine ganz normale Hauptverkehrsstraße. Und was machen diese dr#cks Menschen? Die halten einfach an, setzen das Kind auf’s Autodach oder schliessen das Auto ab und laufen weiter. Nicht nur PKWs, auch Lieferwagen und so. Unglaublich.
Es war wie mit dem üblichen Phänomen, dass sich so gerne auf der Autobahn-Gegenfahrbahn weitere Unfälle durch Gaffer ereignen. Ich meine, es kann gerne jeder Feuerwerk gucken, aber eine Straße ist immer noch vornehmlich zur Fortbewegung gebaut worden. Damit überhaupt noch was vorwärts ging, fuhren Polizeimotorräder mit Blaulicht auf und ab. Des Weiteren tönte es andauernd aus dem Megaphon eines Streifenswagen “Sie fahren jetzt bitte weiter!”. Sysyphus lässt grüssen. Kaum sind die Grün-Weißen vorbei, war die Spur wieder zu. Irgendwann ham’se den Columbiadamm einfach komplett gesperrt, besser so.

Was mir am Donnerstag Abend außerdem sehr missfiel, das has’de halt überall, wo Volk zusammenfindet: Abschaum. In dieser Geschichte personifizierte sich dieser in vier Typen und ‘nem Weib, voll bis Oberkante, Marke White Trash, Durchschnittalter etwa 35, welche kaum noch gerade stehen konnten. Statt stumm zu geniesen, meinten die immer laut gröhlen zu müssen. Meistens schickten die dem Gegröhle überdies einen dumpfen Fußballstadiumspruch hinterher. Total panne.
Mit etwas Abstand stand und saß neben mir eine Gruppe Jugendlicher herum, polnisch, tschechisch, Ostblock. Die fanden es total lustig die Mixery-Flaschen über Geh- und Fahrradweg zu kicken, ach wie witzig. ‘N Baseballschläger wäre schick gewesen, rechts, links, klatsch, bumm, einmal rundherum.
Keine Sorge, es geht noch weiter. Das Feuerwerk war donnerstags pünktlich gegen 11 aus, der Hubschrauber kreiste weiter herum, ich wollte heim. Super Idee. Blöd nur leider, ich war nicht alleine in diesem Ansinnen.
Menschenmassen. Damit verhält es sich ja wie folgt. Die meisten Leute gehen und haben’s meistens nicht besonders eilig. Während man sich zuerst noch so durchzuschlängeln versteht, ist’s damit kurz darauf vorbei. Die gehende Masse geht ins Schleichen über und letztlich kriecht sie zäh dahin. Ich lief auf der Bordsteinkante lang. Gestern simma ‘n paar Meter einfach auf der Straße gelaufen.

“Es ist grün, Sie dürfen jetzt weiterfahren!” Gegen 23 Uhr, eigentlich Zapfenstreich, machten wir los. Ich hatte so irgendwie das Gefühl, dass’es das noch nicht gewesen sein konnte. Als sie dann tatsächlich weiterschossen, wollten wir nicht mehr zurück. Gegenüber dem Columbiahaus auf dem Mittelstreifen ließ ich die Cola light und das Bier. Bei der Katzbachstraße schwenkten wir scharf rechts in den Viktoriapark.

Ich war vorher noch nie dortgewesen, obwohl ich seit 2003 in dieser Gegend residiere, im Golgatha Biergarten. Im Sommer, im richtigen Sommer, so mit Wärme und Sonne, muss’es da immer brechend voll sein. Momentan war’s ziemlich überschaubar. Zwei Jim Beam-Cola genehmigte ich mir, M. verköstigte zwei Kristallweizen. Wir unterhielten uns weiter über dies und das.

Seine Freundin, welche momentan noch in Stuttgart arbeitet, will unbedingt zurück nach Berlin. Stuttgart ist halt nicht gerade um die Ecke, und da gehen für Flüge und Zugfahrten nicht nur viel Geld, sondern auch ‘ne Menge Zeit drauf, Streß. Mittwoch, an seinem Geburtstag, hat sie nachmittags noch ein Vorstellungsgespräch in Berlin, wonach die beiden für ein paar Tage nach Usedom fahren. 40 wird’er. Jünger wird’ma’ halt leider nicht.

Eine amüsante Geschichte erzählte er mir. Und zwar macht M.S. ja seit einem Weilchen Außenrequisite [falls hier jemand mitliest: M.S. ist ein Kumpel von M.], kenne ich och. Die arbeiteten gerade an so ‘ner Fernsehgeschichte, wo es darum geht, dass irgendjemand eine Schule kidnappt, das Gebäude rundherum mit Bomben versieht und, der übliche Schmarrn halt. Auf jeden Fall haben die sich für viele tausend Euro Bombenattrappen bauen lassen, wovon sich der Chef von M.S. ein paar in den Kofferraum seiner Limousine packte und damit beim Regisseur, dem Licht, weiß der Kuckuck wo, vorbeifuhr, um’se sich abnehmen zu lassen. Das Fahrzeug hatte wohl getönte Scheiben. Auf den Gedanken, dass eine Decke nicht verkehrt wäre, kam er zu spät. Er parkte das Auto vor seiner Wohnung in der Hornstraße, einen Tag vor’m Karneval der Kulturen.
Es klingelte an der Wohnungstür. Wolla’ma’se reilasse? – Wie der Clown aus der Kiste stürzte sich das SEK auf den Trottel. Die Gegend war weiträumig abgesperrt.

Gegen Viertel vor eins heute Nacht war ich @home. Es war ein schöner Abend gewesen. Ein iPhone will’er haben, alternativ ein N97. Mal guck’n.

 

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