Sodele. Auf der Webseite der Agentur für Arbeit lud ich mir ein paar Formulare herunter, welche ich sodann ausfüllte. Ein paar Fragen, welche das Amt einfach ‘mal einen Sch#ißdr#ck, angehen, ließ ich offen, konkret:
Wohnen in Ihrem Haushalt auch Personen, die ggf. nicht zur Bedarfsgemeinschaft, jedoch zur Haushaltsgemeinschaft gehören?
1. Wohnverhältnisse
1a Wie viele Personen leben in der Wohnung/im Haus insgesamt? [...]
Außerdem machte ich in der “Anlage KDU” keine Angaben zu/m “Wohnflächenanteil”, “Anzahl der Räume”, “Anzahl der Bäder, “Anzahl der Küchen” und zu der Sache, wann meine Wohnung “bezugsfertig” gewesen wäre.
Nebenbei vergaß ich bei 8b ein Kreuzchen zu setzen, ob denn meine Krankenkasse “einen Zusatzbeitrag gemäß § 242 SGB V” erhebe.
Ich füllte also den vierseitigen “Antrag auf Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) – Arbeitslosengeld II / Sozialgeld -” aus, sowie die Anlagen “EK Einkommenserklärung zur Feststellung der Einkommensverhältnisse jeder in der Bedarfsgemeinschaft lebenden Person [...]“ und “KDU zur Feststellung der angemessenen Kosten für Unterkunft und Heizung [...]“. Damit sind’s schon insgesamt 10 Seiten, weshalb ich mir die “Angaben zu den Vermögensverhältnissen” sparte. Außerdem lege ich den Papieren keinerlei Nachweise wie Mietvertrag oder sonstwelches Zeugs bei. Für den Moment ist’s genug.
Die auf meinem Drucker, auf meinem Papier, gedruckten Formulare werde ich alsbald in einen großen Umschlag stecken und bei den Bürokraten einwerfen.
Update 01.07.2009 13:30
Gegen Halb eins Mittag dürfte es gewesen sein, als der Umschlag im Hausbriefkasten landete. Über die Zossener radelte ich zurück.
Wo war ich nur mit meinen Gedanken gewesen? Die pin Mail brachte mir gestern einen Umschlag. Frau Hirseland schreibt mit mit Datum vom “03.07.09″.
Antrag vom 01.07.09 auf Grundsicherung für Arbeitsuchende (Arbeitslosengeld II/ Sozialgeld) nach dem Zweiten Buch Sozialgesetzbuch (SGB II)
[...] für Ihre Bedarfsgemeinschaft wurde heute Arbeitslosengeld II beantragt.
Bitte kommen Sie am 13.07.2009 um 08:00 Uhr in das JobCenter Friedrichshain-Kreuzberg., 10969 Berlin, Rudi-Dutschke-Str. 3, Wartebereich A2 im 2. Obergeschoß.
Anbei hängt ‘ne Doppelseite auf der “Erforderliche Unterlagen (Anlage 1)” angekreuzelt sind, u.a.
× Meldebescheinigung (aller Familienmitglieder)
Meine Adresse ist aus meinem Personalausweis ersichtlich. Und meine Familie geht Euch einen Sch#ißdr#ck an!
× Rentenversicherungsnummer
Guckst Du in Euer System oder auf den Antrag.
× Kontoauszüge der letzten 3 Monate (vollständig/lückenlos)
Auch das geht Euch ‘n feuchten Kehricht an.
× Sparbücher
Hab’isch nicht.
× Wertpapiere
Hab’isch, kriegt’er nicht.
× Fahrzeugschein / Fahrzeugbrief
Geht’s noch?!
Wie dem auch sei, die haben ja wohl ‘ne Vollmeise, was die alles sehen und wissen wollen. Meinen Antrag ham’se mir beigelegt. Ich hatte vergessen zu unterschreiben. Außerdem wurde mit gelbem Marker markiert, wo ich noch ein Kreuzchen machen soll. Was ich nicht ausfüllte, erwähnte ich bereits.
Weiter interessieren die sich für die “Zeiträume” meiner Beschäftigungen. Dafür sind drei Zeilen vorgesehen. Lächerlich, damit fange ich erst garnicht an. Außerdem haben die das ohnehin alles im System, denn rate ‘mal wo meine Arbeitsbescheinigungen stets landen, richtig, beim Amt. Eh komisch, heutzutage gehen denen all die Informationen ohnehin längst elektronisch zu.
Oh, wie freundlich, es wurde mir die “Anlage VM” (“Vermögensverhältnisse”), ferner “VE” (“Verantwortungs- und Entstehungsgemeinschaft”) und “HG” angehängt. Obendrauf soll ich auf der letzten Seite eine “Wahrheitsgemäße Erklärung” abgeben, wie ich meinen Lebensunterhalt bislang bestritten habe. F#ckt Euch ins Knie!
Update 12.07.2009 15:54
Sodele, ich habe gerade die kompletten Antragsformulare zerrissen. Neh echt, solches Amtsgesindel – Ausnahmen bestätigen die Regel, eh kloar – kann mich ‘mal kreuzweise. Das ist halt einfach ‘n Unrechtssystem sondersgleichen. Ich meine für die Sachbearbeiter/innen mag dies nur ‘n Job sein und wer weiß, eventuell helfen sie auch hilfsbedürftigen Menschen, aber sonst, nö.
Und weil Nazivergleiche voll cool sind, also stets für Kontroversen sorgen, bleibt nur noch anzumerken, dass es damals für die KZ-Wärterinnen, welche den Leuten nicht nur jede Würde nahmen, ebenfalls nur ‘n Job war.
Projekt beendet.


Und genau solche Leute wie Dich liebe ich :-)
2009-07-10 19:47 · Kommentar by Zaubi
Warum beantragt jemand HartzIV und verursacht somit Kosten um den Antrag dann wieder zerreißen?
Ja auch die Dame die das bearbeitet wird vom Steuerzahler bezahlt und wenn das mehrere machen, könnte man sich insgesamt die eine oder andere Person auf diesem Posten einsparen.
Klar wollen die viel wissen aber man ist doch nicht im Paradies, schonmal in USA gewesen?
Schonmal drüber nachgedacht in nem andern Land zu sein, ohne Sozialsystem in der Form wie bei uns?
Da gibt es dann kein Geld, arbeitslos zu sein heißt dann man muss betteln oder verhungern.
Einzig einem Sachverhalt stimm ich zu. Ich habe schon oft gehört, dass die Sachbearbeiter zu viel “Macht” besitzen und manche subjektive Aspekte in Bewilligungen einfließen lassen könnten. Auch hier sollte gelten: hire & fire. D.h. wenn ein Sachbearbeiter falsch entscheidet, sollte das auch für ihn Konsequenzen haben. Sowohl im Bewilligen als auch im Nichtbewilligen.
2009-07-14 13:17 · Kommentar by Maik aus Dessau/Sachsen-Anhalt
963.913.981.093,68 EUR, Schuldenstand der BRD, Stand März 2009. Die Forderung, Leuten die ihr Leben lang gespart haben, einen Sonderbonus zu gönnen widerspricht aber einem Sozialsystem. Das ist keine Lebensversicherung wo man das rauskriegt was man einzahlt!
Wo soll das Geld denn herkommen? Klar wär das schön, aber leg doch mal exaktes Zahlenmaterial vor, wieviel Geld dann benötigt wird, wo es herkommt und wie man dann noch schafft die jetzt schon aufgenommenen Staatsschulden zu tilgen, das sind doch alles Wunschträume.
2009-07-14 19:39 · Kommentar by Maik aus Dessau/Sachsen-Anhalt