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Latte Macchiato

Ronny Roger • Mittwoch, 17. Juni 2009 059 Uhr • Category: Berlin

Manchmal regt sie mich einfach auf. ‘Ne Bekannte, Branchenkollegin. So ungefähr jede Woche trifft man sich auf das ein und andere Getränk. Bislang immer im Zaher’s. Das Zaher’s, welches nicht mehr am Chamissoplatz residiert. Das war heute Abend auch mein letzter Besuch dort. Null Flair.

Das Zaher’s am Chamissoplatz war immer so’n nettes Etablissement, die Fusion von Nachbarschaftscafé und Cocktail-Bar. Klein, fein, fast schon familiär, angenehm. Wie sich das Zaher’s früher getragen hat, das fragte ich mich damals schon, aber es funktionierte offensichtlich, auch weil die Ladenmiete überschaubar war.
Der Expansion in eine Seitenstraße der Bergmannstraße standen wir stets skeptisch gegenüber. Das neue Zaher’s, welches anfangs unter dem Namen Bahrona firmierte, war einfach nur groß und obwohl’s nur wenige Meter von der Bergmannstraße entfernt is’, scho’ a bissl ab vom Schuss. Zudem, das hat sich mit dem späteren Ausstieg des Partners leider nicht (zurück-) geändert, fand ein Wechsel des Klientels statt.
Am Chamissoplatz traf man meist auf dieselben Hansel, deren Freunde, Bekannte von Zaher oder welche, die es wurden, und natürlich gelegentlich auch auf ein paar Touristen, welche damit ein persönlicheres Café abseits der langweiligen und eintönigen Halli-Galli-Straßencafés auf Auspuffhöhe fanden.
Anders in der Nostitzstraße 38. Einerseits ist dort immer noch mehr und minder tote Hose, erst recht bei Regen und kühleren Temperaturen. Der Kicker und der Billardtisch unten neben der laut dröhnenden Hausdiskothek sind dagegen in der Regel besetzt. Von der Stammkundschaft scheint nimmer viel übrig zu sein. Dafür gibbed nun mehr so, naja, wie soll man sagen, solch orientalisches Männer-Publikum, welches gerne mit ‘nem Stern vorfährt. Oder im Klartext, die Originalaussage kam von einem Afro-Deutschen: Es sieht nicht besonders einladend aus, weil sich dort zuviele (türkisch-/arabische) Ausländer tummeln. So is’es eben. Außerdem ist es eben einfach nur noch eine Restaurant-Café-Lounge unter vielen, welche weder außergewöhnliche Küche noch besondere Getränke bietet. Das Personal wechselt ebenfalls regelmäßig. Die Bedienung mit ihrer demonstrativen Null-Bock-Einstellung vorhin ging auch garnicht, den Euro Trinkgeld hatte sie sich echt nicht verdient, aber egal.

Schade für den Inhaber, ein echt netter Kerl. Selbstverständlich lasse mich sehr gerne vom Gegenteil überzeugen. An die Windmühlen glaubte ich nämlich och ned und heute stehen sie überall in der Landschaft herum, egal in welche Richtung man guckt.

Nun aber zurück zu der anfänglichen Thematik. A. erzählte, dass sie heute bei IKEA war und die Kunden dort angehalten werden die Selbstscann- & bezahlkassen zu probieren, was in den nordischen Häusern schon lange Usus is’. Ich stehe dem insofern skeptisch gegenüber, weil die Deutschen einfach kein vertrauensvolles Volk sind und ich befürchte, dass damit Schundluder getrieben wird, sofern das überhaupt möglich ist. Die Details des Systems sind mir bislang unbekannt.
Auf jeden Fall posaunte A. lang und breit ihren Unmut darüber raus, was das denn solle und artikulierte entsprechend ihr Unverständnis diesbezüglich, warum sich die Mitarbeiter, der Betriebsrat und die Gewerkschaft nicht wehren würden, weil ja die Jobs der Kassierer/innen wegrationalisiert werden würden. Die Gewerkschaft müsste doch um Erlaubnis gefragt werden und außerdem zahle sie für den persönlichen Service und könne so etwas Neumodisches keinesfalls unterstützen.

Meine Meinung dazu: Ich gebe nichts auf irgendwelche dämlichen Gewerkschafter, welche sich ähnlich wie unsere feinen Politiker so gerne ins Rampenlicht stellen, viel Blabla von sich geben, den großen Maxe heraushängen lassen und sonst nix. Und von ‘nem Betriebsrat halte ich soviel wie von ‘nem Mieterverein, nämlich nüschts, voll für den Allerwertesten. Die können mir wahrlich alle gestohlen bleiben.
Überhaupt, wie verdammt lächerlich ist es, sich über Selbstbedienungskassen aufzuregen! Weiß’d, haben die Leute schon ‘n Theater veranstaltet, als die Industrialisierung Einzug hielt, Manpower, egal ob in Landwirtschaft oder der Fabrik, mehr und mehr von Maschine und Roboter abgelöst wurde? Wurden Tankstellen boykottiert, als der Tankwart verschwand? Beschwerten sich diese Moralapostel, während die Barcode-Scanner die Preisauszeichnung an der Ware und das Wissen um das Sortiment überflüssig machten, wodurch selbst Zeitarbeitskräfte die routinierten und erfahrenen Kassierer/innen ablösten? Rebellierten die Gutmenschen gegen Kehrmaschinen, Online-Shops, Billigflieger und so fort? Nein. Also bitte, Schn#uze! Die Firma dankt.
Das Unternehmen schafft Arbeitsplätze und ernährt dadurch viele Familien. Wenn die Unternehmensführung beschliessen sollte, warum auch immer, Arbeitsplätze abzubauen, dann ist dies gefälligst ebenfalls Angelegenheit des Unternehmens, basta. Wem das nicht schmeckt, der kann ja selbst ‘ne Firma gründen und alles ganz anders und viel sozialer gestalten. Echt wahr, diese linken Bildungsbürger gehen mir gehörig auf den Senkel.

Feuerwerk ist gerade, keine Ahnung wo, ich habe auch keine Lust dafür auf die Straße zu gehen. – Ich war vor der Tür. Es kam aus Richtung des Gleisdreiecks, da war’s recht hell. Gesehen hat’ma sonst nix.

Sodele, und sonst, vorne an der Yorckstraße vor Riehmers Hofgarten gibbed ‘n Nachtdreh von der Cinecentrum, “Chefsalat”, ‘n ZDF-Fernsehfilm. Den Tonmeister erkannte ich, ferner Hocke vom Catering.

Mit L. r. im ICQ-Chat. Randy aus Denville, New Jersey, bietet ihr an für Flug und Hotel aufzukommen und sie außerdem für lau zu tätowieren. Bezahlung ist Sex. Sie weiß noch nicht. Sie kennen sich nicht im RL. Er hat Familie.

 

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