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Raffinade

Ronny Roger • Freitag, 22. Mai 2009 1645 Uhr • Category: Supermarkt

Der Frosch am Teich quakt, als wäre er eine Froschherde. Nach der gestrigen gewittrigen Abkühlung ist es erneut angenehm warm und sogar die Sonne ist wieder aufgetaucht.

Auf dem morgendlichen Rückweg vom Schutower Ring arbeitete ich meine To-do-Liste ab. Erster Halt war Bahr. An der “Info” fragte ich, wie es um die Bahr-Card stehen würde, welche bislang die Empfängerin noch nicht erreichte. Zuerst meinte die Mitarbeiterin, dass sie, sprich die Inhaberin der Karte, reklamieren müsste. Dann sage ich, dass es ja wohl kein Problem darstellen würde, wenn ich weiblich wäre. Echt wahr, die tun manchmal ganz schön doof. Aber die Kundenservice-Mitarbeiterin war daraufhin ganz cool.
Ich notierte auf einem Zettel die nötigen Daten, Name, Geburtsdatum und verschiedene Adressen, sie rief die Hotline an. Bei Rückfragen an mich hielt sie den Hörer mit der Hand zu. Meine Stimme ist halt ned weiblich.
Angeblich sei die Post mehrmalig zurückgekommen, wo auch immer die die neue Karte hinschickten. Mal gucken, ob’s das nächste Mal besser klappt.
Nach der “Info” begab ich mich in die “Gartenabteilung”, wo ich mich direkt an einen Mitarbeiter wandte. Es ist zwar nicht ganz so schlimm wie mit den von der Gespinstmotte einverleibten Sträucher und Büsche an der Bundesstraße, aber hier und da hocken irgendwelche Kleinviecher mit Gewebe drumherum, u.a. auf’m Apfelbaum. Der Bahr-Mensch zückte auf meine Schilderung hin eine Tafel mit verschiedenen Raupen, Käfern und Fliegchen und zeigte auf ein grünes Räupchen. “Nö, eher klein und schwarz”, merkte ich an. Egal wie, er holte unter’m Tresen ein kleines Fläschchen hervor, BI 58. Auf meine Nachfrage nach dem Preis antwortete der Typ mit “4″ irgendwas, an der Kasse wurden daraus “6,79″.
Ein Päckchen Orchideenerde legte ich noch auf den Wagen, außerdem zog ich unter Anstrengungen fünf zwei Meter hohe Tomaten-Spiralstäbe für je “3,49″ aus dem Regal. Bei dieser Gewaltaktion verabschiedeten sich die ganzen Bäbber mit dem Barcode, so dass es an der Kasse a bissl länger dauerte, weil die wirklich total nette Kassiererin erst telefonisch nach der Artikelnummer fragen musste.

Die 85 Cent bei der Stadtbäckerei ein paar Schritte weiter galten nicht für das Stück Marmorkuchen, sondern für je 100 Gramm. Schade. Dann eben nicht. Zwei Brote nahm ich mit, Maiskorn und Roggen.

Next Stop Getränkeland “Am Handelspark 6″. 37 Bierflaschen, drei Cola light Dosen und eine Bionade-Plastikflasche machte ich zu Cents. Apropos, natürlich vergaß ich die leere Bionade-Flasche im Getränkehalter auf der Fahrerseite. Hätte ich’se doch lieber gleich nach hinten geworfen.

Bei Aldi “Am Handelspark 9″ warf ich deren Flaschen in den Automaten, weil die Getränkehändler manchmal so deppert tun, wenn man PET-Discounter-Flaschen bei denen abgibt. Zwei Sechser Wellness-Getränk, “Kirsch-Ginseng” sowie “Birne-Melisse-Malve” nahm ich mit. Zucker und Waldhonig zum Süßen. Frischhaltefolie hatten sie nicht. Alufolie, besser als nix.

Es war so klar! Ich geriet an eine dämliche Kassiererin. Aus dem Heizungsraum hatte ich die orangene Kiste mitgenommen, weil mir die weiße Kiste in der Garage zu dreckig war. Außerdem krabbelte da ‘ne Spinne herum, ihhh. Die leeren Flaschen lud ich in die neue Kiste, weil man ja irgendwie all das Leergut transportieren muss, und auf damit in den Kofferraum.
Jetzt stehe ich dort an der Kasse und normal sagen die ja manchmal, dass man die Kiste, den Korb, was auch immer, bitte einmal hochheben möchte. Weil man vielleicht keine Jacken- und Hosentaschen besitzt und stattdessen den Kaugummi oder die Käsescheiben im Einkaufswagen versteckt klaut. Ja neh is’ klar. Die Kiste stand also hochkant im Wagen und es war klar ersichtlich, dort is’ nix. Dann fummelt die tatsächlich daran herum, hebt die Kiste hoch, schiebt sie auf die Seite, aber gut, dass sie mich nicht bat die Kiste hochzuheben. Dann hätte es nämlich eine verbale Ohrfeige gegeben, wonach sie ihre Zähne hinten an der Kühltheke suchen hätte dürfen. Boahr, so ein Getue kann ich echt garnicht ab.

Überhaupt, der Parkplatz war knallevoll, als würde es heute irgendwas umsonst geben und morgen Feiertag sein. Leute waren unterwegs, alles was irgendwie gerade oder noch auf zwei Beinen laufen konnte und an’s Gaspedal kam.

Edeka, dann ham’wa’s aber. Zweimal Schmand, ich wusste vorher nicht was das ist, außerdem Back- und Vanillepuddingpulver von Dr. Oetker, Vanillezucker von Ruf. Das Backpulver nahm ich nur von Dr. Oetker, weil eine ältere Dame meinte, dass das um über zwei Drittel günstigere Ruf-Backpulver nix taugen würde. Und wenn Dir so ‘ne Mutti, welche sicherlich einige Jahrzehnte Backerfahrung vorweisen könnte, sowas sacht, dann wärs’de ganz schön blöd, wenn’de ned drauf hörst.
Mit der Hefe war der Einkaufszettel weitgehend abgearbeitet. Der 3er-Pack Kinder Pingui, welcher eigentlich ein Vierer-Pack ist, deshalb zum “Aktionspreis –.66″, stand nicht ‘drauf.

Nachdem ich ganz unspektakulär eine Diät-Marmelade und ‘ne Frischhaltefolie von Lidl in’er Rostocker Straße in den Kofferraum beförderte, lief ich rüber zu der alten Villa, welche vor einem Weilchen ausbrannte und um die sich offensichtlich Niemand mehr kümmert. Sonder-, Sperr-, Müll, säckeweise, in und ohne Sack, überall, schlimm sowas. Bei der Gemeinde wollte ich gerade nachfragen, was es damit auf sich hat, jedoch arbeitet dort um kurz vor 4 Freitag Nachmittag niemand mehr. Auch bei der Tourist-Information beantwortet keiner das Telefon. Komisches Deutsch wie ich finde. Von mir gäb’s noch ein “en” für die “Tourist-Information”.

Sodele, Stunden später, der Spüli ist ausgeräumt, die Bude komplett durchgesaugt und aufgeräumt, als nächstes auf dem Pflichtprogramm: Den kompletten Strauch Zitronenmelisse abernten und einmal die Blätter kochen. Ach ja, die Spiralstäbe sollte ich vielleicht noch aus dem Auto nehmen und nach hinten tragen. Und, genau, das Insektengift mit Wasser mischen, in die Pumpflasche füllen und gib’s ihnen.

 

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