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London, Calais, … Ulm

Archivist • Montag, 3. Mai 2004 000 Uhr • Category: Backup

London, im Jahre 1998. Nach ein einhalb Jahren sollte es nun wieder zurück in heimatliche Gefilde gehen. London ist halt schon ziemlich teuer, und erst recht wenn man nix tut. Stundenlang im Internetcafe herumsitzen, nicht gerade günstig. Den Flug wollte ich mir sparen, die Alternative, keine Ahnung wie ich auf diese Idee gekommen bin, Trampen. Keine Lust gehabt an diesem Morgen, ab liebsten hätte ich die Aktion direkt abgeblasen. Aber was man sich vornimmt, das muss durchgezogen werden. Also Tschüss, die Tasche umgehängt, leichtes Gepäck und mit der Tube ging’s in der Stadt Richtung einer Schnellstraße nach Dover.

Da stand ich dann zuerst ‘mal. Die Vorbeifahrenden müssen mich nicht für ganz sauber gehalten haben, wenn wundert’s. Ich weiß auch gar nicht mehr, wer mich dann endlich mitgenommen hatte, jedoch ging’s jetzt weiter, bzw. endlich los. Bis zur Fähre nach Calais noch einmal das Fahrzeug gewechselt, und jetzt? Tja, die war nicht umsonst. Viele konnten oder durften einen nicht mitnehmen. Ein französischer Student hatte gar kein Problem und damit war die Überfahrt erledigt. Im Duty Free habe ich mir dann eine Stange Gauloises Legeres geholt, zwei, eine nahm er für mich mit. Auf französischem Boden einmal Passkontrolle. Stehen die Franzosen dort mit dem Gewehr im Anschlag, eindrucksvoll. Und weiter, genau, nein, es liegt schon so lange zurück. Genau wusste ich nicht, wo es lang ging.

Irgendwie Richtung Deutschland, das war die einzige Vorgabe. Wieder stieg ich um, so ein paar Mafiosos in ‘nem fetten Auto nahmen mich mit. Das erinnerte mich an ‘ne Fahrt von Brooklyn ‘rein nach Manhattan, mit ein paar total dichten Kollegen von ‘ner Band. Irgendwann später saß ich noch in einem Auto mit einem total verpeilten Typen, der nur gebrochenes Englisch sprach, furchtbar, mich mitnahm und mich nach einer Irrfahrt wieder dort absetze, wo er mich aufgelesen hatte, das wäre nix geworden, wie daneben. Als es dunkel wurde auf dem Rastplatz hieß es die Zeit herumbringen bis zum Morgen, wo mich dann ein paar Studenten mitnahmen. Einmal holte mich noch die belgische Polizei von der Autobahn, hatte mir wohl die Stelle nicht so schlau ausgesucht. Die fuhren mich in den nächsten Ort und meinten ich solle die Bahn nehmen. ‘Bin dann aber gemütlich wieder zurück Richtung Autobahn gelaufen. Ob es Belgien oder die Niederlanden waren, nach einer schlaflosen Nacht muss ich schon fertig ausgesehen haben, wenigstens nahm mich zeitweise einfach Niemand mehr mit.

So lief ich einfach gut ‘mal einen halben Tag, bis zu einem riesigen Parkplatz oder war es ein Ausflugsziel. Dort kam ich dann zu einer Mitfahrgelegenheit bis kurz vor Düsseldorf irgendwo, wow, Deutschland. Sich nach der Ausfahrt auf die Autobahn zu stellen, nehneh, die deutsche Polizei fand das ebenso wenig dolle. Von der Tankstelle, wo ich gerade herkam und die mich wieder absetzten, ging die Fahrt weiter bis zu einem Autobahnparkplatz vor Stuttgart. Mit ‘nem Münchner dann bis irgendwie nach Ulm, uh, wir waren schon zu weit. Und genervt war der. Irgendwo in der Pampa setzte er mich ab, es war der zweite Tag, es war schon Spätabend, in der Pampa, eine Tankstelle, die geschlossen hatte, nichts ‘drumherum. Wieder so ein Gangstatyp nahm mich mit in die Stadt, nach Ulm, supernett. Von dort zu Fuß Richtung ‘nach Hause’, und man glaubt es kaum, nicht einmal nach einem Drittel hielt einer neben mir und fragte mich, ob er mich mitnehmen könnte. Sonderbare Freundlichkeit, ja klar, dazu wohnte der direkt bei uns um die Ecke, sehr genial. Geschafft. Zwei Tage, null Euro, doch ein zweites Mal bringt man so was nicht. Zuerst in die Küche, leckerlecker.

 

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