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Fang den Fahraddieb

Archivist • Montag, 3. Mai 2004 000 Uhr • Category: Backup

‘Ne kleine Geschichte. Wann wird’s gewesen sein, schätze irgendwann in den Ferien der siebten Klasse: Ein noch ziemlich neues Mountainbike hatte ich, mein ganzer Stolz, damals gar nicht billig. War immer damit auf Achse, immer, wirklich immer, egal welche Strecke. Den Bus kannte gar nicht mehr, ob zum Ferienjob in der Druckerei oder Zeitungsaustragen, nur mit dem Fahrrad. Hatte es erhalten nachdem das alte aufgrund eines heftigen Unfalls nur noch Schrott war. Eine kleine Geschichte für sich.

In der Stadt war ich unterwegs. Fußgängerzone Ulm. Natürlich schloss ich es ab, jederzeit, aber ich wollte nur ganz kurz. Tja, am Waffengeschäft Ruff hatte ich es angelehnt, schräg gegenüber der Daily Blue, so ein Jeansgeschäft. Dort wollte ich nur mal kurz ins Schaufenster schauen. Ein ungutes Gefühl hatte ich die ganze Zeit. Drehte mich regelmäßig zu meinem Rad um, warum ich es nicht einfach kurz abgeschlossen hatte, nicht nachvollziehbar. Ich gucke und gucke, etwas spiegelt das Schaufenster. Es handelte sich um ein Kettler Alu Rad, mit so Neongrün und -pink. Und das dachte ich bewegt sich. Mmmh, ich dreh mich um, da wo mein Rad abgestellt war.

Weg, es war weg! Es muss sich alles äußerst schnell abgespielt haben: Fassungslos & geschockt lasse ich meinen Blick nach links schweifen, was ein Anblick, da fuhr es, mein Rad, meins! Ich rannte als wenn es um mein Leben ginge, damit wäre mir bei den Bundesjugendspielen eine Ehrenurkunde ganz sicher gewesen. Was spurtete ich. Ob ich dabei schrie, ich weiß es nicht mehr. Jedoch drehte der sich um und trat bei meinem Anblick wild in die Pedale. Oh hatte ich Kräfte, Wahnsinn. Ich holte ihn ein, obwohl er fast freie Fahrt hatte. Von rechts trat ich mit aller Wucht gegen mein schönes Stück. Was mit dem Typ sei, mit total egal. Er schleuderte, das Rad krachte auf die Straße und ich stürzte mich wie besinnungslos auf hin. Auf seinem Brustkorb nahm ich Platz, da war das Judo vor Ewigkeiten nun noch zu was nütze. Dort saß ich in der Fußgängerzone, so viel war nicht los, es war nicht die Hauptverkehrsader, auf ihm, mit meinen Knien hielt ich seine Arme fest. Ja, die Polizei sollte sie rufen, die da von oben aus dem Fenster. Er kramte noch ein paar Spritzen aus seiner Tasche und versuchte sie möglichst weit wegzuwerfen. Dass der sich kaum weiter wehrte, eigentlich war er ‘größer’, ein Russlanddeutscher wie sich später herausstellte, welcher nicht das erste Mal gesetzeswidrig in Erscheinung getreten war.

Die Polizei kam dann und packte ihn ein, sammelte die Spritzen auf. Wie ging’s weiter. Zeugenaussage und so. Auf den Reparaturkosten blieb ich sitzen. Da half mir das Lob der Polizei wenig, dass sie das nicht so oft mitbekommen würden, wie jemand so einen Dieb catcht. Das Ende der Geschichte, schaute Monate später bei der Gerichtsverhandlung vorbei, denn das war nicht das einzige Delikt und gerade deshalb wanderte er ein bisschen hinter Schloss und Riegel.

 

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