Hin & wieder, da sucht man irgendetwas auf seinem Rechner, der externen Festplatte, ‘ner gebrannten CD, im Archiv, im Backup, wird meist fündig, manchmal auch nicht. Sicherlich jedoch stolpert man über vieles Andere, wo man denkt, oho, stimmt, da war ja ‘mal was oder/und man leicht in alten Erinnerungen schwelgt. In diesem Fall hat die Datei die Bezeichnung “SurPlus_2008_09_27.doc”.
Bei dieser Datei handelt es sich um ein Schreiben von mir an Surplus. Surplus ist ein Großhändler aus Köln welcher eben Kleidung, Schuhe und Stiefel vertreibt. Das Zeugs mag nicht schlecht sein, aber so mit Qualität, tja, das wird wohl auf das jeweilige Produkt ‘drauf ankommen. Ich hatte damals “Echtlederschuhe mit Stahlkappe” erworben. Es dürften die “Stiefel 10-Loch” gewesen sein, welche im aktuellen 2008/2009 Katalog auf Seite 98 bebildert sind.
Surplus hatte ‘mal ‘ne ganz schlaue Idee. Sie wollten eine neue Zielgruppe akquirieren, nennen wir sie einfach ‘mal Subkultur: Die Gothics, deutsch och Grufties. Ist halt so’n Begriff wie Metaller, Hip-Hopper, Volksmusikanten, whatever. Visuell und oberflächlich sind diese Gestalten meist daran zu erkennen, dass sie sich schwarz kleiden, nicht unbedingt wegen der Gruppenzugehörigkeit, sondern weil’se sich damit wohlfühlen, mehr als in einer grell-bunten Verkleidung. Gedeckte Kleidung und schwarz ist halt schick. Yut, der Klischee-Gothic setzt dem noch eins obendrauf, hängt sich allen möglichen Klimbimb um Hals und Hüfte, kleistert sich Kriegsbemalung und weißen Puder ins Gesicht, ist einfach nur harcore-intolerant, geistig beschränkt und denkt öfters über Selbstmord nach als unsereins. Aber bitte, jedem das seine.
Ich für meinen Teil gebe generell einen Dr#ck auf irgendeine Szene, sympathisiere jedoch schon sehr mit der schwarzen Gemeinde. Nennen wir es Welle, hoch & runter, so höre ich also gerne andere Musik, abseits des Chartradios, Musik, welche gelegentlich von schwarzen Onlineradios gespielt oder in den entsprechenden Clubs aufgelegt wird. Die Denke, keinesfalls dieselbe, zumindest gibt’s Parallelen, nicht unbedingt weil man anders sein möchte, nö, sondern sch#iß auf die Gesellschaft und der damit einhergehenden Repression. Yut, da bin ich jetzt wieder gehörig abgeschweift, das Thema Gothic ist kaum pauschal abzuhandelt, vielleicht ein andermal mehr.
Bei Surplus waren wir stehengeblieben. Nun existieren abertausende Gothic-Stores, Online- und Ladengeschäfte, welche den ganzen Klumpatsch vertreiben, der wiederum vom Standard-Gothic och nur in einem dieser schwarzen Läden gekauft wird. Weil man dort unter sich ist, natürlich das gewünschte Angebot konzentriert ist, Wurscht. Elementar für Gothics: Stiefel, umgangssprachlich och Boots genannt. Deshalb hat sich Surplus ‘n klingenden Markennamen für ihre Low-Budget-Stiefel ausgedacht, nämlich “Undercover Boots”. “Under” kommt immer gut, klingt nach “Underworld”. Und weil wohl ‘ne chinesische Flagge ziemlich untrue käme, wurde für das dazugehörige Logo gleich och noch die britische Flagge mißbraucht. Letzteres hängt wohl damit zusammen, dass diese Art der Boots ihren Ursprung in England hatten, dort aber aus Kostengründen die Produktion überwiegend längst eingestellt worden und zu den Schlitzaugen verlagert worden ist. Sprich diese tollen Undercover-Boots, wie übrigens auch andere ehemalige Qualitäts-Marken, beispielsweise Doc Martens, welche so glänzend da in ‘nem ach so coolen Gothic Store stehen, sind nicht über’n Ärmelkanal geschippert worden, sondern von ‘nem chinesischen Fließband gefallen.
Wie dem auch sei, das Marketing war erfolgeich, die Billig-Tretter finden sich in so gut wie jedem gut oder schlecht sortierten Club- und Gothicwear Shop.
Das ein und andere Mal hatte ich bereits vorbeigeschaut. Vor allem für Mädels hat Plaste & Elaste so einige Auswahl. Aber auch für Jungs ist was dabei. Lack, Leder, Hosen, Kleider, Röcke, Boots, hoch, breit, spitz, schmal. Wenn’s nicht unbedingt schwarz sein muss, schaut man in einem der Klamotten-Läden auf der anderen Straßenseite vorbei, die wohl auch so irgendwie dazugehören.
Nun denn, es war Samstag Nachmittag, ein Paar neue Boots sollten her, alltagstauglich. “Schatzi” hier, “Schatzi” da, die Bedienung wirkte direkt sehr hilfsbereit und schon wurde anprobiert. Die Zwischengröße gab’s nicht, dann sollte man bei Karstadt eben Einlegesohlen kaufen, so der Tipp. Auch Pflegemittel für die Stiefel werden nicht geführt.
Währenddessen schaute eine Kollegin der “Schatzi”-Bedienung rein und erzählte lang und breit wie sie gerade ewig einen Kunden beschwatzt hatte und mit 500 €uro Umsatz ihr Tagessoll erreicht hätte.
Die Boots waren o.k., Industrieware. aber mitnehmen wollte ich sie eigentlich noch nicht. Aber wie das so ist, nachdem einen die Verkäuferin einen das dritte Mal fragte, ob man sie denn nehmen würde, erkundigte ich mich nach dem Preis. Denn mit ordentlicher Preisauszeichnung hat’s Plaste Elaste nicht so. Nicht gerade ein Schnäppchen, jedoch irgendwie, man wohnt eben in dem Kiez, bar bezahlt und weg.
Ein echt ungutes Gefühl, die Verkäuferin hatte einen richtig bedrängt, nicht der Kunde, sondern nur der Umsatz zählt. Wie dem auch sei, eine Stunde später stand ich wieder in dem Laden und wollte den Kauf rückgängig machen (Die Ware war nicht einmal ausgepackt gewesen!). Denn eben diese Boots gab es in einem anderen Laden regulär für gut 30% weniger, von den folglich gecheckten Internetpreisen (~ 50%) gar nicht anzufangen. Und dafür arbeitet man wirklich zu hart für sein Geld.
Das Ende der Geschichte ist, dass ich die Stiefel behalten habe, weil es von der plötzlich nicht mehr so netten Verkäuferin nur eine Gutschrift für den Kauf anderer überteuerten Artikel gegeben hätte, vielen Dank auch – nie wieder!Und betreffend des Webauftrittes unter www.plaste-elaste.com, da muss ich dem anderen Schreiber zustimmen, geht gar nicht. Nicht einmal ein “Hallo, wir sind … uns gibt es seit … etc.”.
Fazit: Nicht empfehlenswert
- dooyoo.de 10.12.2006 -
So begann die Geschichte mit den Undercover-Boots, in einem teuren Laden mit schönen Sachen, guter Auswahl, sowie einer aufdringlichen und indiskreten Angestellten. Und wie das halt so ist, es stellte sich heraus – ja, ich kenne och Leute, welche mit ihren Undercover Boots zufrieden sind – handelte es sich bei der Billigware aus Fernost um Schrott.
Auf folgendes Schreiben habe ich nie eine Antwort erhalten, nicht ein Wort der Entschuldigung oder gar ein neues Ersatz-Paar, nüschts. Ob’s denen geholfen hat, dass ich noch einmal Zeit für ihr Produkt investierte und die Ware auf meine Kosten via Hermes einsandte, wohl kaum. Meine neuen Boots sind wieder von NPS und liegen seit über ‘nem halben Jahr verpackt im Schrank, weil’s die Alten von 1998 immer noch tun.
Surplus Textilien GmbH & Co. KG / Surplus Textilien Verwaltungs GmbH
Thilo Wäsch & Lars Engels
Niehler Str. 272
50735 Köln2008-09-27
»Alle Undercover-Boots sind … mit stabilen Nähten verarbeitet.«
Sehr geehrte Damen und Herren,
nachdem ich nun oben genannte Beschreibung aus Ihrem aktuellen Katalog lesen durfte, ist es mitnichten möglich diese unkommentiert zu lassen.
Glatt gelogen!
Es sind inzwischen etwa anderthalb Jahre vergangen, als ich mich ins Plaste + Elaste verirrte, einem unsäglichen Laden mit mehr als greulich penetrantem Personal. Ich wollte nur ‘mal gucken. Aber wie das so ist, letztendlich flüchtete ich mit einem Paar Undercover Boots. Die kamen auf etwa 70 Euro. Im Vergleich zu anderen Shops der absolute Wucher und es war noch nicht einmal die korrekte Größe. Ich solle mir doch Einlegesohlen kaufen, so die Ansage der unverschämten Verkäuferin, das würden alle anderen Kunden ebenfalls machen. Dann wäre die 9 statt 8 oder 8½ total in Ordnung.
Wie dem auch sei. Die Boots lagen daraufhin lange im Schrank herum, weil ich sie ja gar nicht wollte und irgend wann habe ich sie dann doch getragen, bis, ja bis mein Schuhwerk eines Tages komische Geräusche von sich gab.
Ich arbeite in der Filmproduktion. Da läuft man zwar nicht im Schlips herum, jedoch ordentlich. Denn man hat tagtäglich Kontakt zu verschiedenen Schauspielern, Geschäftspartnern, vielen Leuten mit unterschiedlichen Befindlichkeiten, et cætera. Da war doch nun tatsächlich vorne die Naht aufgegangen! Was?! So etwas habe ich in 15 Jahren, in welchen ich Stahlkappe trage, nicht erlebt. Bravo! Peinlich, es lag noch ein ganzer Arbeitstag vor mir.Ich meine, dass die originalen Schuhbändel nach einer Woche in schwarz-blau zerfledert sind, das ist bei den Undercover normal, bei Freundin und Bekannten beobachtet, o.k., kann man mit leben, dass man sich gleich ein gescheites Paar Schuhbändel dazukauft. Aber dass der Stiefel einfach so auseinander geht, dies hat nichts mit Verschleiß zu tun, das ist einfach nur mieseste Qualität.
Mittlerweile liegen die Undercover abermals ein halbes Jahr hier herum. Ich kann mit dem Ramsch nichts mehr anfangen. Deshalb übersende ich Ihnen anbei die Boots zur adäquaten Entsorgung, alternativ zur Materialforschung. Viel Spaß.
Nebenbei: Meine NPS Boots halten seit 10 (!!!) Jahren durch.
Mit freundlichen Grüßen
[...]
Update 24.11.2009 19:19
Nie wieder hörte man etwas von denen. Zugestellt wurde mein Packerl mit der Sendungs-ID “0127011284 3355″ vom 27.09.2008 am 30.09.2009.


Hi, bestellt die Boots doch das nächste Mal einfach in dem von mir als URL hinterlegten Webshop. Ich kenne diesen Shop gut, dort bekommt ihr sie ein bisschen günstiger und habt auch einen netten und kompetenten Service! Falls ihr denn nochmal welche haben mögt :)
Grüße!
Steffen
2011-05-12 11:52 · Kommentar by Steffen