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An die Waffen!

Ronny Roger • Samstag, 14. März 2009 1352 Uhr • Category: Nachrichten,Supermarkt

“Jetzt spricht die verzweifelte Familie”, so titelt die Bild heute, zwei Tage nach Winnenden. Ah, ich habe mir erstmal eine Batterie Eiswürfel aus dem Frost ins Glas geklopft und Coca-Cola zero draufgeleert, sehr gut. Die Fenster sind zum Lüften auf, werden gleich geschlossen. Musik fehlt, ist inzwischen an.
Bei filmz.de tut sich nichts in Sachen Redesign, die bleiben so wie’se sind, zwei kurze Kommentare reingepostet. Und ich bin schon wieder sonst überall am Herumsurfen, statt hier den Eintrag fertigzustellen. Yut, jetzt bleibe ich ‘mal hier.

Lidl war kurz und schmerzlos, etwas Salat und Gemüse, ein Rama Cremefine, fertig. Bergmannstraße, rein zum Plus. Der Plus hat nämlich Edler Weisser, Schokoladenaufstrich mit Mandeln & Bourbon Vanille aus Madagascar. Von Viva Vital ‘nen Brotaufstrich, Tofu Natur von BioBio, ab an die Kasse.
Ach herrje, das samstägliche Highlight so far. Ich versuchte es mit der rechten Kasse am Eingang. Eingang, Kasse, öh, wie bitte? Ja, o.k., nicht wirklich. Also keine Ahnung wer sich das ausgedacht hat, bei Plus in der Bergmannstraße komms’de rein und läufst als Unwissender bzw. wenn’de zum ersten Mal in dieser Filiale bist, natürlich geradeaus. Logisch, dass da um die Ecke der Eingang wäre. Is’er aber nicht. Denn dort landes’de an zwei Kassen, sozusagen an ‘nem Ausgang. Eine weitere Kasse haben sie mittig hingesetzt. Von dem Standpunkt an den einen Kassen ist es auf einen kurzen Blick unmöglich einzusehen, wie die andere Kasse frequentiert ist. Ich schätze die Planer dieses Plus waren während ihren Arbeitszeiten ziemlich unter Drogen oder die Handwerker haben’s spiegelverkehrt aufgebaut. Auf jeden Fall total schwachsinnig. Deswegen ist’s immer recht lustig anzusehen, wenn die Neukunden reinlaufen und ganz verdutzt dreinschauen, weil’se statt im Laden am Ausgang landen, da hilft die Beschilderung och ned wirklich.
Genug von unfähigen Supermarkt-Architekten, da stand ich nun an der Kasse wie man das halt so tut. Es ging nix vorwärts. Was der trödelige Typ da vorne für ein Problem hatte, ich weiß es nicht, einige Flaschen verschiedener Alkoholika standen da herum. Zehn Minuten, das ist nur ganz wenig übertrieben, brauchten die bis’e sich ausgekaspert hatten. Die Kartenzahlung funktionierte och nicht, auf den fünften Anlauf oder so. Und als hätte der Heini nicht genug Zeit gehabt, räumte er erst dann ganz gemächlich sein Zeugs in den Einkaufswagen.

Wie wir ja wissen, gibt’s in den modernen Supermärkten nicht mehr diese, puuh, keine Ahnung wie man das korrekt bezeichnet, sagen wir ‘mal Auslauffläche dazu. Band, Kasse bzw. Barcodescanner und nichts, heute. Das haben sie so gut wie überall abgeschafft. Wahrscheinlich wollen sie damit den Kunden zwingen einen Einkaufswagen zu benutzen. Dazu sage ich: F#ck Dich! Manche Kassiererinnen drängeln dann immer voll, ziehen das Zeugs schon über den Scanner, während der vorherige Kunde noch garnicht seine gerade erworbene und bezahlte Ware abgeräumt hat, ätzend.
Früher, ja früher. Da hat man die Ware im Supermarkt in den eigenen mitgebrachten Rucksack ge- und an der Kasse wieder ausgepackt, voll normal. Das darfs’de heute nimma machen, dann wirs’de sicherlich gleich des versuchten Diebstahls bezichtigt oder musst Dir sonst ‘n Quark anhören. Jaja.

An der Kasse. Nach dem Typen warteten zwei Lesben, die eine sah ganz nett aus, die Andere ähem, vor mir stand ‘n Kerl mit seinem Sohn. Ein Herr mit Migrationshintergrund würde man sagen dürfen, aber machte einen sympathischen Eindruck und sprach übrigens och perfektes Deutsch. Amüsant war, der spielte andauernd mit einer Plastikpistole herum, ‘n Stück Tesafilm hielt das Magazin, welche er ‘mal auf’s Kassenband legte, wieder in die Hand nahm und sich dann hinten in die Hosenbund steckte. Das hat mir gefallen.
Biocompany, zwei Bagel und ein Sonnenblumenbrot, fünf Euro waren weg. Vor dem Satici sprang der Sohn von einem der Chefs herum, welcher mit einem Meterstab ein Maschinengewehr nachahmte, sich den eben so zurechtgefaltet hatte.

Ich wollte mich dazu eigentlich nicht äußern. Hier und da fühlte ich mich bereits genötig anzumerken: Dieses Ereignis ist schlimm genug. Es ist einfach nicht angebracht seinen Senf dazuzugeben. Die Finger still-, die Klappe halten. Anstand. Bitte!
Aber nein, trotz dem neunzig Prozent der Berichte, Mutmaßungen, Äußerungen, Kommentare in dieser Angelegenheit an mir vorbeigehen, weil ich mich nicht auf irgendwelchen News-Webseiten herumtreibe, mein Fernseher schon lange Sendepause hat, ich generell kein Radio höre, gänzlich bleibe ich davon nicht verschont, leider. Hier und da musste ich halt doch irgendwas hören und lesen.
Nehmen wir als Beispiel ‘mal die Pressemeldung her, dass der Amokschütze Tim Kretschmer (hat man früher nicht ‘mal Nachnamen abgekürzt?) seinen Amoklauf in einem Internetchat angekündigt haben soll. Jeder, der das las und nicht total verblödet ist, wusste den Wahrheitsgehalt dieser Aussage sofort anzuzweifeln. Weil Klischee, Ballerspiele, Internet, ach ja. Aber nein, die Medien springen auf den Zug mitauf, welcher auf dem Abstellgleis seine Kreise zieht. Dass es sich hier ganz klar um eine Ente handelte war schon lange mehr als offensichtlich, bevor die Online-Medien den entsprechenden aufgewärmten News-Content inklusive bekannter Falschmeldungen in das weltweite Netz entließen, so wie der Laster seine gesammelte Ladung auf der Müllkippe ablädt.

Es ist einfach nur widerlich, egal ob Fernsehen, Radio, Print oder gar angeblich ach so fortschrittliche Dinge wie Twitter bzw. das Internet. Who the f#ck is Twitter?! Alle zerreißen sie sich das Maul, jeder weiß es besser. Der Pöbel dreht auf, die abscheulichen Politiker und Rechtswissenschaftler vorweg. Dazwischen sensationsgeile und profilierungsbedürftige Augenzeugen, indirekt Betroffene und sonst irgendwelche Hampelmänner oder Gutmenschen wie etwa Annette Kull vom Deutschen Rotes Kreuz, welche den ARD Brennpunkt mit einer Werbesendung für das DRK und sich selbst verwechselt. “Meine Handynummer ist durchgeschaltet und frei die nächsten Tage”, wen interessiert’s.

Weiß’d, wenn ich dann solche Wortfetzen wie Waffenschrank, Gewaltspiele, er war so unscheinbar und unauffällig, Schäuble, Verschärfung, höre, boahr, da kriegs’de doch ‘n Vogel. Immer wieder das gleiche Gefassel.
Tatsache ist einfach die, dass ein verirrtes Wesen, ‘n gestörter und kaputter Mensch – derer es soooviele gibt – Gott spielte. Das ist Fakt, zweifelsohne. Diese Amokläufer mögen immer viel argumentieren warum und wieso, aber Niemand, Niemand hat das Recht sich über Gott zu stellen und sich anzumaßen über Leben & Tod zu entscheiden und damit maßlos Leid & Schrecken zu verbreiten. Dafür gibt es niemals einen Grund. Wenn’se denn echt ned klarkommen, bitte, dann soll’n'se sich selbst die Rübe wegblasen, aber ihre Probleme nicht immer an Unschuldigen auslassen – und die Unschuldsvermutung gilt erstmal für jedermann, basta. Eine Waffe macht einen noch lange nicht zum Richter über die Schöpfung. Das will ich jetzt auch nicht weiter ausführen, kommen wir zu dem eigentlichen Aufreger.
Dass wieder einmal ein Amoklauf stattgefunden hat, das wissen wir ja nun alle, passiert, ist passiert, wird wieder passieren, daran werden auch neue Waffen mit Fingernabdruck-Sensor oder sonstwelche meist mehr un- als sinnige Maßnahmen nichts ändern. Es ist so verdammt widerlich, ich nenne hier die Bild stellvertretend für den Rest der abscheulichen Presse. Überhaupt, dass die sich Presse schimpfen dürfen, ist echt ‘ne Verhöhnung jedes anständigen Journalisten. Darüber ausführlich herzuziehen erspare ich mir für den Moment, ich schätze dafür ist das BILDblog. eh die bessere Adresse für. Wahrlich, die Bild ist schlimm, die Bild-Leser sind schlimmer.

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