Erstens, ja, es ist wieder soweit, nach fast schon jahrelanger Abwesenheit tippt Ronny³ ‘mal wieder ins Netz. Nicht viel hat sich verändert seit dem letzten Mal, lang, lang ist’s her, auf geht’s.
Die Lilly hat Ronny³ ein Päckchen geschickt, nette Karte dazu, eine der beiden CDs steckt im DVD-/MP3-Player.
Produktiv sollte das neue Lebensjahr beginnen. Gegen 6h40 auf die Uhr geschaut, aufstehen, 7h30 macht das Bürgeramt Kreuzberg-Friedrichshain auf. Ist natürlich völliger Blödsinn, dieses verfluchte Beamtenpack bekommt es nur nicht gebacken ihre Sprechzeiten im Internet zu aktualisieren. Gut also, dass Ronny³ nicht, wie schon damals, als er frisch hier hergezogen war und sich anmelden wollte, gleich losgeschossen ist. Um 10h15 war er dann dort, in der Yorckstraße 4-11, Rathaus Kreuzberg nennt sich dieser Klotz. Ziemlich leer, nur eine Schlange da vor dem Wartenummern-Automaten. Was soll denn das, hin, die letzten in der Reihe gefragt, ob sie denn auf die Wartenummern warten würde. Irre oder, die sind total meschugge die Berliner, fett prall einfach. Warten auf Wartemarken, hallo?!
Tatsächlich, hier wurde auf Wartemarken gewartet. Das Bürgerbüro macht nämlich erst um 11 Uhr auf und erst ab Punkt 10h30 gibt der Automat Marken aus. Prima Sache. Bis es dann endlich 10h30 war, dauerte ewig, schlängelte sich die Schlange bis zu den Aufzügen. 011, das war die vom Ronny³. Und was er auch gar nicht versteht: Gut, es ist Kreuzberg, da hat man natürlich auch mehr von diesen Dr#cksausländern, weißt, von denen, auf die man gerne verzichten würde. Klingt unmenschlich, ist aber so. Und eine versucht da doch tatsächlich dreist vorne reinzudrängen, während sie noch sicher 20 Leute vor sich hat. Da braucht man kein Deutsch zu können um zu sehen, dass es sich hier um eine Schlange handelt und jeder dasselbe will: Eine Wartemarke um weiter zu warten. Checkt es nicht die Frau. Dem Ronny³ danach egal, nichts wie raus, 10h32 war’s da.
Computer angeworfen, eMails gecheckt, Béla, Happy Birthday und so. Echt so ein Typ der zuverlässigen Sorte, ist zur Zeit in Australien aufhaltig, Sydney, Auslandssemester, Sir Fred Schonell Dr 27/59 – St. Lucia 4067, QLD um genau zu sein, Anruf von Lilly auf’m Mobile, da muss’er erst ‘mal zurückrufen. Stunden später. Echt ewig telefoniert gehabt, ist inzwischen Halb1 vorbei, obwohl Ronny³ im Moment an sich überhaupt null kommunikativ ist, verdammte Viren, es hatte ihn Freitag erwischt, aber richtig, hardcore. Von der üblen Heiserkeit bis den Schreibstock-Kopfschmerzen, inzwischen ist es einfach ‘nur’ noch die Husterei, das Schwindelgefühl, die Heiserkeit natürlich, gelegentliche Halsschmerzen. Oft hat er das nicht aber wenn, dann richtig hammermäßig. Was ein Timing, richtig einen Saufen wollte er noch einmal vor seinem 27sten, Pustekuchen, war nix.
Nun denn, gegen 11h10 wieder Richtung Rathaus, auf in den dritten Stock, vorher noch einmal “Push” aufgedreht. Die Hölle war da los, der Wahnsinn. Schon hatte er die Befürchtung, dass seine Nummer schon dran war. Er blieb mitten im Warteraum stehen und beobachtete die Tafeln mit den Warte- & Raumnummern. Dann war es soweit, 011 Raum 16. Wollenschläger oder so ähnlich hieß die, streckte ihm gleich die Hand entgegen, kein Hallo, ohne ein Wort zu sagen, wollte die Wartenummer haben. Ronny³ kramt in der Jacke, packt zuerst Geburtsurkunde und Passbilder aus, “Nur ruhig, gleich” versucht er die unverschämt und wortlos drängelnde Beamtin zu beschwichtigen, gruschtelt weiter. Dann hat er sie gefunden und reicht sie ihr. Einen Pass wolle er. Aber “nicht mit dem Passphoto” entgegnet sie, es sei zu dunkel und “Gucken Sie ‘mal da” meint sie mehrmalig mit einem Fingerzeig irgendwo an die Wand, keine Ahnung was es da zu sehen gibt. Aber Ronny³ hatte ja noch einmal eins dabei, der Hintergrund ein wenig heller, das würde sie akzeptieren. Zu hell, zu dunkel, was haben die hier für Probleme, wirklich nur lächerlich, und der Unterschied liegt echt nur im Hintergrund, minimal. Gut, das eine hat sie dann genommen, immerhin. Ronny³ wäre wohl auch ziemlich an die Decke gegangen, wenn nicht.
26.- €. Sechsundzwanzig Euro, Sechs und Zwanzig, über 50 gute alte deutsche Mark sind das, 26! 26! Das musste Ronny³ jetzt hinlegen. Zum Ausrasten. Was für eine Abzocke. “Das ist ja unverschämt” oder so ähnlich, ging es ihm von den Lippen, woraufhin die Dame nur verständnislos den Kopf schüttelte, so wie könnte sich Ronny³ nur erlauben so einen Ton anzuschlagen. Zum nächsten Amtsgang wird hier abgemeldet und woanders hin, drückte er ihr noch rein. Würde überall soviel kosten, o.k., aha.
Sechs Wochen würde es brauchen, dann könnte er den Pass abholen. CD wechseln … von “Zum Goldenen Maunzer” zur “Grinsekatze!” …
“Dieser Reisepaß ist Eigentum der Bundesrepublik Deutschland”, Alecken, ich habe doch dafür bezahlt! Sche#ß auf Bundesrepublik, sche#ß auf Deutschland.
Fernsehen, eigentlich wollte Ronny³ zum 20sten April endlich wieder in die Röhre gucken können. In Berlin gibt es doch dieses angebliche “Überall-Fernsehen”, ist ein riesiger Schwachsinn, das schon ‘mal vorweg. Heißt, die Signale werden nicht mehr analog terrestrisch ausgestrahlt, sondern digital, die große Zukunft, so heißt es. Haben sich irgendwelche Schwachköpfe ausgedacht, mit dabei Technisat mit ihrem Digipal1.
Ronny³ ist ja im Moment noch ziemlich neben der Kapp, aber was muss muss, wollte sich selbst ein geiles Geschenk machen, endlich wieder Fernsehen. Preise und Testberichte im Internet verglichen gehabt, stundenlang, zweimal beim Saturn am Alexanderplatz gewesen, zudem am Potsdamer Platz, ebenso beim Mediamarkt und beim Makromarkt.
139 Euro der Digital Receiver plus nochmal 15 irgendwas für die aktive Antenne, gegen 14 Uhr am gestrigen Tag eingepackt, in die Yorckstraße, ausgepackt, angeschlossen, den schlierenden Videorecorder unter’s Kleiderregal verbannt. Nach Anleitung vorgegangen. MDR, NDR, BBC, ARTE, und nochmal so ein paar überflüssige Sender, das war schon alles was er reinbekam. Was ein Drama, das darf nicht wahr sein! Antenne war angeschlossen, es schien alles in Ordnung. Im Saturn telefonisch den Fernsehheini verlangt, er könnte es Ronny³ ja einstellen, aber ohne Garantie, dass es dann funktionieren würde mit dem Empfang. Kabel langgezogen, die Antenne hochgedreht, auf die höchste Stufe, rot brannte es schon lange. ProSieben, Sat.1 gab es jetzt schon, aber eben auch nur, wenn die Antenne auf Überleistung war und am Fenster. Bei Viva und so, pixelig, “Programm nicht verfügbar”. Es half nichts, er musste wieder alles einpacken, erneut zum Potsdamer Platz radeln, Kreditkartenstorno, das war’s mit der digitalen Zukunft für ihn, die muss wohl ohne ihn auskommen. Dicke Mauern, Parterre zum Innenhof, entgegengesetzte Richtung zum Fernsehsturm. F#ck Berlin.
Das ganze Theater hätte Ronny³ nicht, wenn da nicht die Bluthunde der Gebühreneinzugszentrale wären, eine niederträchtige Drückerkolonne. Beim Einzug hatte er noch Kabel, zwar nervig, dass der Anschluss auf’m Flur lag, immerhin war einer da. Die Vor-Vormieterin hatte den gekündigt, jedoch war er nie abgeklemmt gewesen. Mit der Anmeldung in Berlin sprangen Ronny³ gleich ‘mal wieder diese GEZ-Deppen an und so ergab es sich dass eines Tages plötzlich, nachdem dieses Gesoxe chancenlos an der Arroganz vom Ronny³ abgeprallt war, der Kabelheini vor der Tür stand. Zwielichtige Gestalt, grinste blöd durch die Gegend, wollte eigentlich eine Anmeldung zum Kabel, um die 16 Euro im Monat kostet sowas, Ronny³ damals zuviel. Eine überflüssige Diskussion folgte, der Typ wiederholte andauernd, dass Ronny³ bis jetzt immer Kabel hätte nutzen können, Ronny³, er hätte es nicht gebraucht. Kabel und dann noch GEZ, das sei nicht drin, meinte Ronny³.
GEZ würde er nicht zahlen, wer und was das überhaupt sei, entgegnete der Typ da vor der Haustür. Das Blabla ging noch ewig weiter, er hätte Radio, Autoradio und Fernseher, aber GEZ würde er nicht zahlen beteuerte der Schwätzer immer wieder. Wahrscheinlich so eine linke Zecke der Typ wie Ronny³ mutmaßt und nicht nur für die Kabelfirma, sondern auch für die GEZ tätig.
Jetzt ‘mal in die Küche, heute ist Salattag und Rauchen ist ab heute nicht mehr!

